„Jede Frau, die eines unserer Frauenhäuser aufsucht, weil sie von Gewalt in einer Beziehung betroffen ist, ist auch von digitaler Gewalt durch ihren (Ex-)Partner betroffen“, hebt Katharina Krüger, Fachbereichsleitung des Fachbereichs Frauen der AWO Region Hannover e.V. hervor. „Digitale Gewalt wirkt immer: Zu jeder Tageszeit und an jedem Ort. Das macht sie zu einer besonderen Bedrohung, der wir aktuell in den Frauenhäusern täglich entgegenstehen.“
Frauenhäuser sind wichtige Schutzräume für Frauen, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind. Doch ist die Wirksamkeit und die Sicherheit dieses Schutzraums gefährdet, wenn die betroffenen Frauen weiterhin psychischer Gewalt, Kontrolle oder Stalking über digitale Medien ausgesetzt sind. Dies löse Gefühle der Ohnmacht und der Ausweglosigkeit aus, so Katharina Krüger: „Die Betroffenen tragen die Täter buchstäblich in der Tasche. Das kann dazu führen, dass sie trotz der räumlichen Trennung im Frauenhaus das Gefühl haben, dass sie der Gewalt nicht entkommen können. Es besteht die Gefahr, dass sie resignieren und in die Beziehung zurückkehren. Durch das Tracking von Standorten oder den Einsatz von Spyware kann es schlimmstenfalls dazu kommen, dass Täter Kenntnis über den Standort des Frauenhauses erlangen. Das gefährdet alle Frauen, die in unseren Häusern Schutz suchen.“
„Die digitale Dimension geschlechterspezifischer Gewalt muss viel stärker berücksichtigt werden, wenn wir über die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sprechen“, fordert Marco Brunotte, Vorsitzender des Vorstands des AWO Bezirksverbands Hannover e.V. Im Jahr 2023 war laut Bundeskriminalamt die Zahl der von digitaler Gewalt betroffenen Mädchen und Frauen um 25 Prozent sprunghaft angestiegen. Digitale Gewalt hat viele Formen und ist nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Raum ein Problem. „Voyeurismus, Stalking über Soziale Medien und so genanntes „Catcalling“ auf den Straßen: Hier müssen auch juristisch alle Register gezogen werden, um die Täter klar zu verurteilen“, so Brunotte weiter.
„Frauenhäuser und Beratungsstellen müssen dringend in die Lage versetzt werden, mit dem Tempo des digitalen Fortschritts mitzuhalten“, fordert Brunotte. „Hierzu muss die Politik zusätzliche finanzielle Ressourcen bereitstellen, zum Beispiel für regelmäßige Schulungen der Expertinnen oder für die Bereitstellung sicherer Endgeräte für die betroffenen Frauen. Anknüpfend an die bestehenden Beratungsstrukturen braucht Niedersachsen landesweit fachliche Anlaufstellen, die sowohl die Betroffenen als auch die Expertinnen selbst vor Ort beraten können. Wir müssen die Chance des Gewalthilfegesetzes des Bundes in Niedersachsen nutzen, um von Anfang an Ressourcen zur Bekämpfung dieser Gewaltdimension vorzuhalten. Damit Frauenhäuser sichere Schutzräume bleiben.“
