Alleinerziehende sind in Deutschland noch immer am stärksten von Armut betroffen. Knapp die Hälfte aller Kinder, die in einer Familie mit Bürgergeldbezug aufwachsen, leben mit nur einem Elternteil zusammen. Das Armutsrisiko für Alleinerziehende lässt sich nicht nur auf mangelnde Erwerbstätigkeit zurückführen. Knapp 71 Prozent der alleinerziehenden Mütter gehen einer Lohnarbeit nach. Insgesamt sind alleinerziehende Mütter deutlich häufiger von Armut betroffen, müssen öfter Sozialleistungen beziehen und haben ein höheres Risiko für Altersarmut.
Neben den bekannten sozialpolitischen Empfehlungen wie einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Kitaplätzen, verlässlicher Ganztagsbetreuung und der Einführung einer Kindergrundsicherung ändert sich wenig an der Situation der Betroffenen. Abgesehen von der zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen, die in Vereinbarkeit mit Mutterschaft meist in Teilzeit erfolgen, nimmt die Anzahl Alleinerziehender laut Studien deutlich zu. Trotz Verbesserungen bei der eigenständigen sozialen Absicherung von Frauen wird gesellschaftlich sowie sozial- und familienpolitisch am Leitbild des männlichen Ernährermodells festgehalten. Aus feministischer Perspektive besteht hier Handlungsbedarf, diese geschlechtliche Arbeitsteilung aufzubrechen und Angebote zu schaffen, damit Eltern gleichberechtigte Familienmodelle leben können.
Deutschland ist europaweit das Land mit der höchsten Armutsquote unter Alleinerziehenden. Die soziale Absicherung von Alleinerziehenden gilt in der feministischen Wohlfahrtsstaatenforschung als ein zentraler Indikator für die Geschlechtergerechtigkeit der Sozialpolitik. Hierdurch lässt sich unter anderem definieren, inwiefern das Fehlen eine*r (Ehe-)Partner*in Armutsbetroffenheit herbeiführt.
Bei der Veranstaltung wollen wir uns nicht nur mit den politischen Vorhaben auseinandersetzen. Vielmehr möchten wir aus der Betroffenenperspektive erfahren, inwiefern Unterstützungsangebote und -leistungen außerhalb der Bundes- und Landesministerien helfen und welche Maßnahmen es realistisch betrachtet braucht, damit Betroffene schnell und einfach im Alltag Entlastung erfahren. Muss es immer der große Wurf sein oder können schon kleine Punkte strukturell helfen, um das Armutsrisiko zu bekämpfen? Des Weiteren wollen wir diskutieren, wie sich die Gesellschaft weiter wandeln muss, damit in Deutschland das Armutsrisiko für Alleinerziehende sinkt und beide Elternteile ihrer Fürsorgepflicht sowohl zeitlich als auch monetär nachkommen.
Dazu laden wir eine alleinerziehende Mutter sowie Berater*innen des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) ein, um mehr Einblicke in die Realität von Betroffenen zu erhalten. Im 10. Familienbericht legt die Bundesregierung erstmals einen Schwerpunkt auf die besonderen Lebenslagen und Bedürfnisse von alleinerziehenden und getrenntlebenden Eltern. Die Familienberichtskommission legt darin sogar konkrete Empfehlungen vor. Doch sind diese realistisch umsetzbar? Weiter wollen wir darüber diskutieren, was neben großen und langjährigen Reformen, klein und unkompliziert umgesetzt werden könnte. Dabei zeigen wir auf, welche Hilfestellung die AWO in ihren sozialen Diensten anbietet und warum der Zugang zu Kitas und Familienzentren für Alleinerziehende besonders wichtig ist.
Was brauchen Alleinerziehende? – darüber sprechen Expertinnen im AWO Panel. Hier reinhören.
Wir diskutieren mutig, unbequem und laut mit:
Vertreterin des Vereins alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV Ortsverband Hannover)
Alleinerziehende Armutsexpertin
Vertreterin des Zukunftsforum Familie e.V. (ZFF)
Moderation: Geschäftsführung Landesarmutskonferenz Niedersachsen (LAK)
Dienstag, 30. September 2025
16:00 Uhr / Einlass: 15:30 Uhr
Faust Warenannahme
Zur Bettfedernfabrik 3
30451 Hannover
Für eine kostenlose Kinderbetreuung wird vor Ort gesorgt.
Instagram: awo_bezirksverband_hannover
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