Im Rahmen der Bezirkskonferenz am 14. Juni 2025 haben die Delegierten eine Resolution beschlossen, diese lautet wie folgt:
Unsere Demokratie ist kein fertiges Konstrukt – sie ist lebendig, wandelbar und wirkt vermeintlich geschützt gegen Angriffe von innen und außen durch das Grundgesetz. Unser demokratischer Staat funktioniert nur, wenn er mit Leben und Engagement gefüllt wird. Eine funktionierende Demokratie braucht Demokrat*innen, die schon früh zu einer demokratischen Grundhaltung befähigt wurden und sich für unsere Demokratie engagieren.
Vor 80 Jahren wurde Deutschland vom Faschismus befreit und die Alliierten unterstützten Nachkriegs-Deutschland im Aufbau demokratischer Strukturen. Dies ermöglichte ein Leben in Frieden, Demokratie und Wohlstand. Aber auch einen Wohlstand, der heute stark ungleich verteilt ist. Die zunehmende soziale Ungleichheit ist eine Gefahr für die Demokratie. Wenn Armut und Armutsgefährdung zunehmen und die steigenden Kosten für das Leben auch die Mittelschicht verunsichern, während gleichzeitig die Reichen immer reicher werden, erodiert das Vertrauen in demokratische Prozesse, staatliche Institutionen und politische Entscheidungsträger*innen. Die Menschen fühlen sich von dem System, das sie stärken und schützen soll, im Stich gelassen und nehmen sich nicht mehr als Teil der Gesellschaft wahr. Sie ziehen sich aus (politischen) Beteiligungsprozessen zurück und wenden sich im schlimmsten Fall religiösen oder politischen Extremen zu. Ohne soziale Gerechtigkeit verliert die Demokratie an Legitimation und das Vertrauen in staatliche Institutionen nimmt weiter ab. Ohne einer grundlegenden Umverteilung von Reichtum und einer Demokratisierung von Kapital kann es keine stabile Demokratie geben.
Ein starker Sozialstaat ist das Rückgrat für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zivilgesellschaftliche Akteure und Wohlfahrtsverbände sind dabei wichtige Faktoren. Sie übernehmen wertvolle Aufgaben der Daseinsvorsorge und tragen sozialpolitische Forderungen in die Politik. Öffentliche Räume stehen vor der Herausforderung auch weiterhin Räume demokratischer Begegnungen zu bleiben.
Der Kampf für eine wehrhafte Demokratie ist für uns auch eine Verpflichtung zur internationalen Solidarität. Wo Freiheit und Menschenrechte eingeschränkt werden und demokratische Werte unter Druck geraten, dürfen Demokrat*innen nicht schweigen. Jede*r hat das Recht, frei zu sein. Die Zeit von Patriarchen, erstarkenden autoritären Tendenzen und Oligarchen muss vorbei sein. Alle Macht geht vom Volke aus.
Die Erfahrungen von Krieg und Faschismus prägen die AWO. Sie sind für uns eine starke Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft. Deswegen engagieren wir uns für unsere Demokratie. Die Grundwerte der AWO Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz bilden dabei das Fundament unseres Handelns. Wir möchten mitwirken, politische Antworten aus aktuellen Herausforderungen zu finden. Wir brauchen eine starke Demokratie, die aus eigener Kraft ihre Feinde abwehren kann und darf. Diese Kraft sind nicht nur starke Institutionen, politische Akteure und die rechtlichen Leitplanken unseres Systems, diese Kraft sind wir alle
Demokratie ist ein stetiger Prozess - eine Baustelle, die Engagement und Beteiligung braucht. Der demokratische Wandel kann nur mit demokratischen Werten fortgesetzt werden. Zwischen sozialem Engagement und politischer Verantwortung denken wir gemeinsam weiter, fragen kritisch – und handeln konstruktiv. Stein für Stein tragen wir als AWO mit unseren Mitgliedern, in unseren Einrichtungen und unserer Interessenvertretung durch unser tägliches Handeln dazu bei, die Baustelle zu gestalten und an unserer Demokratie zu arbeiten. Für eine kraftvolle, wehrhafte und lebendige Demokratie.
